David Lynchs Wetterbericht

David Lynch initiiert seit neuestem und nach langer Zeit wieder einen Weather Report aus seinem Atelier in Los Angeles. Skeptiker des Regisseurs werden diesen Exkurs wohl zum Anlass nehmen und ihren Standpunkt untermauern, dass bei ihm oft nichts dahinter steckt und ihm vieler seiner Anhänger dabei auf den Leim gehen, indem sie alles glorifizieren und überinterpretieren, was er von sich gibt. Doch wir sollten genauer hinschauen, denn dann entdecken wir etwas, das mehr als sonst von Lynch ausgeht: die Komik und unser Verlangen danach.

Den Wetterbericht bekommen die meisten von uns wohl täglich zu sehen oder wenigstens zu hören. Meist bezogen auf unsere unmittelbare Gegend, denn das macht ja zweifelsohne Sinn. Warum also eine Einschätzung ansehen, die von einer Person stammt, die sich bisher nicht als ein Experte auf diesem Gebiet ausgezeichnet hat. Natürlich nicht, weil wir wissen wollen, wie das Wetter in LA ist.

„And we’ll have sunshine around 71 degrees Fahrenheit.“

These: David Lynch wurde auf seine alten Tage noch komischer und zwar im Sinne der Komik, die in ihrer Andersartigkeit, die von ihm ausgeht, besser funktioniert als je zuvor. Diese Komik belustigt und beruhigt zugleich. Dadurch dass er hier das Allerweltlichste zum Gegenstand nimmt, das einem nur einfallen kann, zeigt er uns, wie sich das Komische und zugleich Normale freiwillig entblößt: etwas durch und durch Erwartbares, wie hier das Wetter, das jeden Tag und immer da ist, umformen, um es zu etwas Unerwartbaren zu machen, indem ausgerechnet er darüber berichtet. Ein uns zugetaner, gewohnter Gegenstand wird entfremdet, da ihn uns jemand zeigt, den wir in einem anderen Kontext erwarten.

Natürlich ist das Wetter in seiner genauen Ausprägung auch nicht erwartbar und vorhersagbar und wahrscheinlich gehen wir ihm durch diese Gedanken laut den Skeptikern wieder auf den Leim. Doch das soll keine Überinterpretation oder Glorifizierung sein. Denn um es ganz simpel auszudrücken: Was gibt es schöneres, als ein wunderbares „All this should burn off later“ in bestechender Montana-Mundart vom alten, aber zufrieden wirkenden Großmeister der Groteske zu hören.

Eine Lesart des Weather Reports von David Lynch: Besinnen wir uns wieder auf das Wesentliche und betrachten das, was wir nicht verändern können, als gegeben und geben eine Prise Komik hinzu, indem wir umformulieren, karikieren und auf unsere Stärken vertrauen. Wie der Mann in seinem Atelier neben Farbtuben, Telefon und dampfender Kaffeetasse.

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