Strange But True

Strange But True ist ein Neo-Noir-Thriller, der nicht spannend ist, aber unterhaltsam. Gegen Ende wird man Zeuge von einem der dümmsten Tode seit Zoolander- alleine deshalb lohnt es sich reinzuschauen. Der Film wird am 5. November auf DVD und Blu-ray erscheinen.

Von Jonathan Ederer

Es läutet an der Tür. Philip (Nick Robinson, Jurassic World) öffnet die Tür und sieht ein Gesicht, das er fünf Jahre nicht mehr gesehen hat. Vor ihm steht Melissa, gespielt von Margaret Qualley (Once Upon a Time in Hollywood), und sie behauptet Kühnes: Sie sei schwanger von Ronnie (Connor Jessup), Philips Bruder, der – ebenfalls vor fünf Jahren geschehen – bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Hier stimmt etwas nicht. Ein Netz aus Intrigen und falschen Fährten entspinnt sich, die Auflösung kann dem Ganzen letztendlich aber nicht gerecht werden.

Strange But True ist nicht rund, aber auch nicht unbeholfen. Nachdem die Voraussetzung eines ziemlich ordentlichen Casts mit Brian Cox (Troja) und Greg Kinnear (Besser geht’s nicht) gegeben sind, beginnt Regisseur Rowan Athales Geschichte sehr ambitioniert. Die Prämisse stimmt: Man will wissen, was es mit der verzögerten Schwangerschaft auf sich hat. Doch es ist eigenartig, denn in Schwung kommen will dieser Film nicht. Dafür sind die Figuren zu blass, zu stereotypisch, zu nervig. Die Konflikte könnten gelöst werden, würden die Menschen einfach mal darüber sprechen. Wenn unbegründete Sprachbarrieren den Hauptkonflikt in einem Film aus den Boden stampfen, fehlt es an einem der wichtigsten Zutaten: der Glaubwürdigkeit.

Dass bedeutet aber nicht, dass Glaube keine Rolle spielt. Kurz wird angerissen, dass Charlene einem christlichen Moralkodex (Stichwort: unbefleckte Empfängnis) folgt – fünf Jahre, nachdem sie sich in der Prom-Night flachlegen hat lassen. Jetzt könnte man argumentieren, dass es sich um eine Doppelmoral handelt, die Teil ihrer Charakterentwicklung ist. Doch leider spießen sich bei fast allen Figuren früher oder später die Ansichten. Das führt zum Problem Nummer zwei: der Inkonsequenz. Keine Figur handelt folgerichtig oder schlüssig. Früher oder später weichen sie alle von zuvor etablierten Verhaltensmustern ab. Nur um einen Charaktertwist zu forcieren, den man natürlich nicht kommen sehen kann, wenn man an Kohärenz innerhalb einer Person glaubt.

Doch man muss das alles nicht so streng sehen, denn unterhaltsam ist er allemal – solange man ihn nicht zweimal sehen muss. Es gibt einen Verrückten, die verbitterte Ex-Frau, den leidenden Sohn, die Frohnatur und eine verschiedene Person, die alle verbindet. Es geht an manchen Stellen hart zur Sache, aber nie an der Schmerzgrenze. Da hätte man vielleicht noch stärker ins Detail geben können, denn das hätte dem Film wenigstens im wahrsten Sinne des Wortes Fleisch gegeben.

Und das Beste kommt zum Schluss. Es hört sich vielleicht seltsam an, aber es ist wahr: Strange But True enthält eine der kuriosesten und dümmsten Tode, die sogar die Modelkollegen von Derek Zoolander wie Raketenwissenschaftler erscheinen lassen. Der ist kurioserweise zwar nicht direkt zu sehen, die Geschehnisse ante mortem reichen aber, um den Rest mit Vorstellungskraft erledigen zu können. Schon alleine deshalb lohnt sich der Film.

Strange But True kann nicht viel, ist aber trotzdem unterhaltsam. Es verhält sich mit Figuren und Geschichte ähnlich wie mit der Gehfähigkeit der Figur Nick, die während des ganzen Films nur auf Krücken gestützt von Ort zu Ort humpelt. Unfähig, das große Ganze zu erkennen und seinen Weg zu Ende zu gehen, denn alle sind ihm im Weg. Der Vater, die Mutter und alle andern auch. Beim Drehbuchschreiben konnte man sich offenbar auch bis zuletzt nicht entscheiden, wer nun die Hauptfigur ist. Fazit: schwammig, zu oberflächlich, zu enttäuschend gegen Ende.


Titelbild © 2020 Tiberius Film

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